Sonne
Die Sonne spricht. Mit uns Menschen, die sie beherrscht. Denen sie im Sommer blonde Strähnchen in die Haare zaubert. Denen sie Licht und Wärme spendet. Aber die Sonne findet auch Freude an der Zerstörung. Wie ein kleines Kind, das einen Legoturm umstößt, lässt die Sonne die Welt brennen, schmelzen, zu Staub und Asche werden. Selbst ist sie sich nicht sicher, ob sie sich als männliche oder weibliche Kraft sieht, doch sicher ist sie die Naturgewalt, um die sich alles dreht.
„Sonne“ bildet den Auftakt zu Elfriede Jelineks Werkzyklus „SONNE / LUFT / ASCHE“, in dem diese Elemente ins Zentrum rücken. Über lange Zeit war der Mensch überzeugt, er könne sie beherrschen und grenzenlos für seine Zwecke nutzbar machen: eine fatale Hybris. Mit unerbittlicher Konsequenz antwortet die Natur, nimmt Vergeltung für das, was man ihr seit jeher abverlangt hat.
Nach „Café Populaire“ und „Apokalypse Miau“ kehrt Franziska Autzen als Regisseurin abermals ans Stadttheater Gießen zurück.






