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Wallenstein

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nov.22
dimanche 22 novembre · 15h – 22h15
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Ein Schlachtfest in sieben Gängen. Nach Friedrich Schiller

Mit englischen Übertiteln

ca. 7 Stunden, drei Pausen

7 Stunden Schiller, Krieg und Frieden: Guten Appetit!

Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:

Was hat Putin mit Schiller zu tun? Eine ganze Menge, belegen die Kammerspiele und powern mit einem atemberaubenden „Wallenstein“ furios los in die neue Spielzeit. Für die Neuinterpretion dieser Trilogie von Friedrich Schiller (1798/99 uraufgeführt) greift das Team um Hausregisseur Jan-Christoph Gockel einen Gedanken des Politologen Herfried Münkler auf: er hat mal Putins Mann fürs Grobe im Ukraine-Krieg, Jewgenij Prigoschin, den ehemaligen Führer der Söldner-Truppe Wagner (dessen Machtphantasien 2023 praktischerweise ein Flugzeugabsturz jäh beendete), mit Wallenstein verglichen. Also dem Söldnerführer und Kriegsunternehmer des Kaisers im Dreißigjährigen Krieg.

Prigoschin war mal Putins Koch, so kommt die Aufführung zu ihrem Motto „Kochen ist Krieg“. Und es wird angerichtet: ein Schlachtfest in sieben Gängen, zur Frage, wie Krieg gemacht und erhalten wird („Der Krieg ernährt den Krieg“), und die Suche danach, wie er wieder endet. Regisseur Gockel ist bekannt für seine genresprengenden Theaterideen, und auch hier zieht er alle Register. Sergei Okunev, ein „Typ aus Russland“, führt mit einer Background-Recherche ein, immer wieder wird er an diesem Abend Analogien aufzeigen zwischen Dichtung und Wirklichkeit. In „Wallensteins Lager“ dann wird mit vollem Einsatz – das ganze Ensemble in Kochmontur – geschnippelt, gebraten und verfeinert (unter Chefin Annette Paulmann, sie ist Wallensteins Gegenspieler Octavio Piccolomini), einige Zuschauer werden später auch auf der Bühne tafeln dürfen. Wenn Party-Time ist, versammelt sich gefühlt das halbe Kammerspiel-Publikum auf der Bühne. Drums und Gitarre von Maria Moling dosieren die Stimmung, die Live-Kamera schaut nicht nur in Töpfe, sie folgt auch einem Militärberater (André Benndorff) auf die Maximilianstraße zum spontanen Passanten-Interview.

Samuel Kochs Wallenstein – Schiller zeigt ja den vom Kaiser bereits abgesetzten Feldherrn in seinen letzten Tagen – ist zurückgenommen, begrenzt in seinem Radius, aber klar in seinen Gedanken, immer noch Machtmensch und handlungsbereit, bis die Intrigen kommen: am Ende hängt der querschnittgelähmte Schauspieler wie eine Marionette in einer Apparatur, die Fäden an ihm ziehen andere. Sein Traum ist der poetischste Moment der Aufführung, durch Michael Pietsch, den Schau- und Puppenspieler, und seinem Puppen-Wallenstein, der zart sein reales Alter Ego aufweckt.

Siebeneinhalb Stunden (inkl. zwei kleine Pausen, eine große) dauert das Ganze, manches bremst, ist zu viel, aber insgesamt ist Gockels Konzept bestechend. Auch die Idee, die meisten Männerrollen von Frauen spielen zu lassen: mit Inbrunst werden maskuline Attitüden auf die Spitze getrieben (und darüber hinaus). Am Ende schält und quält sich Katharina Bach aus der Glatze und dem…

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