
SINEM (D)
Sinem bringt Anadolu Punk und neu interpretierte türkische Popklassiker live im Club Manufaktur Schorndorf
Sinem wuchs in Oberbayern auf, am Ammersee. Sie zog nach München, wo sie noch heute lebt. Ihr Vater hatte ihr westliche Popmusik vorgespielt, die coole Variante: Tanz den Mussolini.
Bei den Großeltern wurde die Musik aus der Heimat gespielt und gesungen. Die Klassiker der türkischen Popkultur, die wieder und wieder aufs Neue interpretiert werden, oft von Sängerinnen, deren Namen irgendwann einen mythischen Klang bekommen haben, weil sie nicht einfach nur Sängerinnen sind. Sie interpretieren die Texte der Dichtersänger, der Aşıks, und sie schreiben eigene. Sie sprechen von den Dingen, um die es geht. Von der Liebe, der unerwiderten, der unmöglichen und der verflossenen, vom Schmerz und der Sehnsucht. Aber auch von dem, was passiert, im Dorf, im Land, auf der Welt, von der Ungerechtigkeit und vom Widerstand dagegen.
Auf ihrem ersten Album „Köşk“ interpretierte Sinem solche Klassiker. Sie alle hatten gemein, dass sie eine Haltung transportieren. Durch ihre Lyrics, ihren Sound oder durch elegante Moves wie diesen: Das Lied eines Machos zu singen, der über eine Frau spricht. Dass es nun aber Sinems Stimme ist, die diese Worte singt, und sie sich dazu ekstatisch auf der Bühne wälzt, sagt mehr als jedes feministische Seminar. Das ist Anadolu Punk.
Sinem, die Band, in der Tom Wu für die Musik und Sinem für den Gesang verantwortlich sind, hat nun aber auch eigene Lieder geschrieben. Weil die aus ihnen selbst kommen, entwickeln sie eine eigene Kraft. Der Stimme der Tradition wird aus der Gegenwart geantwortet, die Vergangenheit bildet die Echokammer für Geschichten von heute.
Eintritt: Vvk 16 € plus Gebühr insgesamt 20 €; Abendkasse 15 €; Mitglieder 15 €.












